Zwei Minuten Hass gegen Macron


Die Drohungen gegen Frankreich ist vor allem eine Machtdemonstration der äußersten islamistischen Rechten gegen die säkularen innenpolitischen Gegner. Aber es geht auch gegen einen der wenigen Staaten, in dem „Blasphemie“ nicht unter Strafe steht.

Manuel Störmer | jungle world

(Anti-Macron Demonstration in Pakistan, Quelle: Ruptly)

Seit einigen Tagen schon mobilisiert der harte Kern der radikalen Islamisten in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern gegen Frankreich unter dem Banner der Beleidigung der Muslime durch einen « islamophoben » französischen Staat. Genau wie die extreme Rechte in Europa behaupten diese Extremisten, im Namen des Volkes zu sprechen und versuchen, möglichst viele Menschen und Institutionen gegen Frankreich zu mobilisieren, in der Hoffnung, dass jene auch glauben, diese Extremisten sprächen für alle Muslime. Der « Tagesspiegel » fällt darauf scheinbar herein, mit der Schlagzeile « Der Zorn der Muslime ». Ähnlich wie bei den Mohammedkarikaturen im Jahr 2006 sind diese Proteste jedoch keineswegs spontan oder populär, sondern von langer Hand von einer kleinen Kaste einschlägiger Figuren geplant und voller Lügen ausgestattet.

Aber : Die Machtdemonstration richtet sich nicht wirklich an Frankreich, denn es ist seit vielen Jahren klar, dass die Rufe nach Zensur in Frankreich nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Das ist auch gar nicht das primäre Ziel. Die Islamisten interessieren sich einen feuchten Kehricht für Frankreich oder französische Innenpolitik. Es ist Ihnen herzlich egal, wie es Muslimen in Frankreich oder Europa geht. Genauso unwichtig ist ihnen französische Außenpolitik oder deren Religionspolitik im Allgemeinen.

« Boykottiere französische Produkte, damit Frankreich eine Lehre für alle ist, die denken, den Propheten zu beleidigen » [beliebter Kommentar unter Macron-Interview bei Al Jazeera Arabisch]

Es geht um etwas anderes : Sie richten sich an Menschen in den jeweiligen mehrheitlich muslimischen Ländern, an die politischen Gegner. Es ist eine Machtdemonstration an Liberale. An Religionskritiker oder jene, die Islamisten für sie halten. An Säkulare und religiöse Reformer. Und in der Folge auch an religiöse Minderheiten, an Feministinnen, an LGBTs.

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