Islamistischer Terror in Frankreich: Selber schuld, ihr Laizisten!


Als Antwort auf die islamistische Offensive in Europa machen einige Kommentatoren den französischen Laizismus als wahren Schuldigen aus: Die strenge Trennung von Staat und Kirche demütige junge Muslime und spiele Fanatikern in die Hände. Das ist absurde Täter-Opfer-Umkehr.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Ein Demonstrant in Istanbul hält ein Plakat mit dem Eiffelturm und einem Fussabdruck in die Höhe. Zu den gefährlichsten Brandstiftern in der französischen Islam-Debatte gehört der türkische Präsident Erdogan. AP

Für Blasphemie vom Staat gefoltert und getötet zu werden – diese Strafe kennt Europa aus den Geschichtsbüchern. Der letzte Franzose, dem dieses Schicksal widerfuhr, war Jean-François Lefèbvre, Chevalier de la Barre. Man warf dem jungen Adligen vor, bei einer Prozession nicht den Hut gezogen und ein Kruzifix geschändet zu haben. Er wurde am 1. Juli 1766 enthauptet und anschliessend auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zuvor hatte man dem angeblichen Gotteslästerer noch die Zunge abgeschnitten.

Dass Blasphemie heute kein Straftatbestand mehr in ihrem Land ist, verdanken die Franzosen einer in Jahrhunderten erkämpften und konsequent umgesetzten Trennung von Staat und Kirche. Seit der Laizismus 1905 gesetzlich verankert wurde, ist der Staat zur Neutralität in puncto Religion verpflichtet. Die Gewissensfreiheit ist garantiert, das schliesst das Recht zur Gotteslästerung ein. Zugleich dürfen Angehörige einer Religion aber auch nicht verunglimpft werden.

Einige Beobachter sehen im Laizismus heute trotzdem eher einen Ballast als eine Errungenschaft. Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar wirft ihm eine Mitschuld an der Radikalisierung junger Muslime und damit an der jihadistischen Anschlagswelle in Frankreich vor.

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