Das Duell um die Wahlleute


In den USA wird nicht Präsident, wer die meisten Stimmen bekommt – sondern, wer in den Bundesstaaten die meisten Wahlleute auf sich vereinigt. Das System ist hoch umstritten.

Teresa Eder | tagesschau.de

In den USA sind zwar alle Wähler gleich, aber dennoch sind einige Stimmen wahlentscheidender als andere. Aktuell zum Beispiel macht es einen großen Unterschied, ob jemand in Kalifornien oder Florida wohnt. Denn in Kalifornien steht schon jetzt fest, dass am 3. November die Mehrheit der Wähler für die Demokraten stimmen und deshalb die Stimmen aller Wahlleute des Bundesstaates an Joe Biden gehen werden. In Florida hingegen werden letztlich wohl ein paar Tausend Stimmen in stark umkämpften Wahlbezirken den Ausschlag geben, wer den sogenannten Swing State gewonnen hat.

In fast allen Bundesstaaten gilt das Prinzip „The winner takes all“ – will sagen: Wer einen Bundesstaat gewinnt, der bekommt auch alle Stimmen der Wahlleute. Dieses Wahlleutegremium, das Electoral College, stimmt am Ende ab – und der Kandidat, der 270 Stimmen oder mehr bekommt, wird Präsident.

So kommt es, dass in den USA bisher fünf Mal Präsidenten gekürt wurden, die keine Stimmenmehrheit in der Bevölkerung hatten – zuletzt Donald Trump im Jahr 2016. Eine Mehrheit der Amerikaner empfindet dieses System als unfair und wünscht sich laut einer Umfrage von Pew Research, dass es abgeschafft wird. Eine Reform liegt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch in weiter Ferne.

weiterlesen