„Nie wieder Grüne“


Die Grünen scheinen seit einiger Zeit auf einer Erfolgswelle zu schwimmen. Die letzten Wahlen liefen für sie zufriedenstellend bis gut. Für die Bundestagswahl hätte man wohl auch eine Kanzlerkandidatin oder einen Kanzlerkandidaten benannt, wenn man sich dabei nicht zwischen Habeck oder Bärbock entscheiden müsste.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Protestcamp am Dannenröder Forst am 4. Oktober 2020. Bild: Leonhard Lenz/CC0 1.0

Viel spricht für eine schwarz-grüne Koalition, die auch den Wünschen großer Kapitalfraktionen entgegenkommen würde. Auch eine Koalition mit SPD und Linken unter einer grünen Kanzlerschaft ist durchaus nicht ausgeschlossen.

Doch schon immer gab es auch im grünennahen Milieu warnende Stimmen, die Partei sollte nicht zu siegessicher sein.

Sie erinnern daran, dass in Berlin der Anspruch der Grünen, mit Renate Künast stärkste Partei zu werden, in einer Niederlage endete. Und seit einiger Zeit bildet sich eine Opposition in einem Milieu heraus, das die Grünen eigentlich als Schwungrad ihres Erfolgs verbuchen wollen: die neue Klimabewegung.

Es dürfte unbestreitbar sein, dass der Aufschwung der Grünen vornehmlich zwei Gründe hat. Die Partei konnte sich als linksliberale Alternative zur AfD inszenieren und sie profitiert von der neuen Klimabewegung. Tatsächlich schienen zunächst die Stimmen junger Klimaaktivisten fast automatisch bei den Grünen zu landen, was linke Ökologen mit Verwunderung und Entsetzen wahrnahmen. Schließlich gab es in den letzten 40 Jahren grüner Geschichte genügend Bruchpunkte, an denen ganze Aktivistengruppen die Partei verlassen hatten.

Die aktive Beteiligung des ersten grünen Außenministers Josef Fischer am Krieg gegen Serbien war wohl der markanteste Bruchpunkt. Der Kosovo-Sonderparteitag der Grünen in Bielefeld war der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung. Danach trennten sich die Wege vieler Grüner der ersten Stunde. Schlaue Analytiker des Geschehens wie Hermann L. Gremliza sahen damals die Grünen am Ende.

Er hatte nicht unrecht. Die romantisch-ökologischen Latzhosen-Grünen der frühen 1980er Jahre gehörten danach endgültig der Vergangenheit an. Die Grünen wurden zur linksliberalen Formation des umweltbewussten Mittelstands, allerdings mussten sie sich dafür gar nicht neu erfinden. Sie waren nur erwachsen geworden und hatten das Erbe der Eltern angetreten.

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