Bellingcat blamiert sich mit Fake-Leak über OPCW


Online-Magazin veröffentlicht Brief an Kritiker einer umstrittenen Syrien-Recherche der Organisation. Doch der hat das Schreiben nie erhalten

Harald Neuber | TELEPOLIS

Generaldirektor Fernando Arias: Was geschieht hinter seinem Rücken in der OPCW? (Quelle: OPCW, CC BY 2.0)

Seit Jahren tobt der Krieg gegen die Regierung von Baschar al-Assad nicht nur in Syrien. Seit anderthalb Jahren wird parallel ein stiller Krieg mit demselben Ziel geführt; mit unklaren Fronten, anonymen Akteuren und zunehmend schmutzigen Mitteln. Im Zentrum dieser Schlacht steht die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit Sitz im niederländischen Den Haag.

Seit sich die Trägerin des Friedensnobelpreises 2013 der Untersuchung eines mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs im syrischen Douma (Duma) Anfang April 2018 angenommen hat, läuft durch die OPCW ein immer offensichtlicher Riss, der das internationale Kontrollregime für chemische Waffen zu gefährden droht.

Langjährige Mitarbeiter der OPCW vertreten vehement die These, zwei Berichte der Organisation zum Vorfall am 7. April 2018, bei dem Dutzende Zivilisten getötet wurden, seien derart manipuliert worden, dass sie die These eines Luftangriffs durch das Assad-Regime stützten und damit eine Rechtfertigung für völkerrechtlich fragwürdige Vergeltungsschläge (Gutachten des Bundestags: Luftangriffe in Syrien nicht vom Völkerrecht gedeckt) der USA, Frankreichs und Großbritanniens lieferten (Ex-OPCW-Inspekteur kritisiert Abschlussbericht über den Douma-Vorfall). Nun hat sich erneut die von Nato-Mitgliedsstaaten finanzierte Internetseite Bellingcat, die wiederholt auch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel gearbeitet hat, in den Disput eingemischt – und offenbar schwer blamiert.

Auszug des angeblichen Briefes bei Bellingcat

Bellingcat veröffentliche vor wenigen Tagen einen angeblich geleakten Brief des OPCW-Generaldirektors Fernando Arias an einen von zwei ehemaligen Chemiewaffen-Inspekteuren, die heftige Kritik an den Douma-Berichten geäußert hatten. In diesem Zusammenhang wurden seither zahlreiche Dokumente geleakt, die eine andere Sicht auf die Geschehnisse in Douma bieten, als sie die OPCW präsentiert. Der Auszug eines maschinellen Schreibens, das in fünf Absätzen einige Thesen der umstrittenen Douma-Berichte wiederholt, belege, „dass ein Chemiewaffenangriff stattgefunden hat“ und „dass jede Vorstellung einer Vertuschung durch die OPCW falsch ist“, während „die Organisation entsprechend ihrem Mandat gehandelt hat“, so Bellingcat.

weiterlesen