Das Bild vom guten Papst: Wie eine Dokumentation zum Fiasko wurde


Ein Dokumentarfilm über Franziskus sollte den Papst in positivem Licht zeigen – für den Vatikan wurde er zum medialen Fiasko. Mitarbeiter der vatikanischen Medien ziehen indes Vergleiche zum Propaganda-Apparat der Sowjetunion.

Burkhard Jürgens | katholisch.de

Es war wieder mal nur gut gemeint. „Francesco“, ein Dokumentarfilm des russisch-amerikanischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski, soll Papst Franziskus als Anwalt in allen Nöten der Welt zeigen; einen, der „sein Herz für die Herzen der ganzen Menschheit geöffnet hat“, wie es im Trailer heißt. Praktisch nur in zweiter Linie erscheint der Papst auch als Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft mit einer Morallehre. Nachdem seine Aussagen über gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in dem Film Gläubige irritierten, versucht der vatikanische Apparat heimlich die Wogen zu glätten.

Unter ungewöhnlicher Nutzung seines diplomatischen Netzwerks ließ das Staatssekretariat den Nuntiaturen weltweit eine Interpretationshilfe zukommen. Die fraglichen Zitate seien aus dem Kontext gelöst; die kirchliche Lehre bleibe unverändert. Die Nuntiaturen gaben diese Korrektur weiter an die Bischöfe. Der Botschafter des Papstes in Mexiko, Erzbischof Franco Coppola, publizierte den Inhalt am Wochenende in einer spanischen Version auf Facebook, später war er auch in anderen Sprachen zugänglich.

weiterlesen