Sollten Christen in der Corona-Krise Privilegien genießen dürfen? „Das schafft im Zweifel eher böses Blut“


Gastronomie, Schwimmbäder und Theater sind seit Montag wieder geschlossen. Kirchen bleiben für Gottesdienstbsucher geöffnet, für Konzerte aber nicht. Die Publizistin Liane Bednarz sieht in den Maßnahmen einen Wertungswiderspruch.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Gehen Sie im Moment zum Gottesdienst oder verzichten Sie lieber darauf?

Dr. Liane Bednarz (Juristin und Publizistin): Ich verzichte im Moment auf jeden Kontakt, soweit das möglich ist und insofern auch auf Gottesdienste, um mich nicht zu gefährden, aber auch, um andere nicht zu gefährden. Ich könnte ja theoretisch auch dieses Virus haben, ohne dass ich das weiß oder merke.

DOMRADIO.DE: Sie haben vor zwei Wochen auf Twitter relativ meinungsstark geäußert: „Christlich konservativ ist, im Lichte einer Pandemie Disziplin und Rücksicht zu üben, statt wie ein Kleinkind zu zetern ‚Ich will aber Gottesdienst ohne Maske, mit Singen, mit Mundkommunion, und lasse mich da nicht unterdrücken.‘ Können Sie das einmal für uns erläutern?

Bednarz: Ich habe in dieser ganzen Diskussion den Eindruck, dass es unter Christen, aber auch in kirchlichen Kreisen, verbreitet ist, doch sehr auf dieses Recht zu pochen, dass man unbedingt Gottesdienste feiern möchte. Für mich kommt so die Eigenverantwortung oder auch die Bereitschaft Verzicht zu üben, an Nächstenliebe zu appellieren, auch durchaus opferbereit zu sein, relativ zu kurz.

Mein Eindruck ist, dass da doch eine gewisse Ritualfixiertheit herrscht. Ich kann das natürlich verstehen. Gerade auch für Katholiken sind ja die Sakramente sehr wichtig. Aber in einer Ausnahmesituation wie jetzt sollte der Schutz anderer und insbesondere auch des Lebens anderer doch klar im Fokus stehen.

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