Warum eine mutierte Coronavirus-Variante Dänemark dazu veranlasst, seine gesamte Nerzpelz-Branche zu zerstören


Die dänische Regierung lässt Millionen Nerze keulen, damit die Tiere nicht zu einem Reservoir für eine mutierte Variante des Coronavirus werden können. In der Branche ist Dänemark Weltmarktführer.

Rudolf Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Die dänische Regierung hat verfügt, dass alle 17 Mio. Nerze auf den 1500 Farmen gekeult werden müssen. Mit dem radikalen Schritt will das Land verhindern, dass die Bemühungen um einen wirksamen Corona-Impfstoff unterlaufen werden. Ritzau Scanpix Denmark / Reuters

Dänemark ist mit 1500 Farmen, 17 Mio. Tieren und einem Anteil von gegen 40% an der globalen Produktion Weltmarktführer in der Nerzzuchtbranche. Am Mittwochabend gab Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bekannt, dass die Regierung beschlossen habe, den gesamten Sektor vorläufig stillzulegen und alle Tiere keulen zu lassen. Man kann sich vorstellen, dass dieser radikale Entscheid nicht leichtfertig gefällt wurde. Doch von der Branche, die jährlich Einnahmen von umgerechnet 1,2 Mrd. Fr. generiert, geht eine Gefahr für die Volksgesundheit aus – nicht nur in Dänemark, sondern weltweit, wie Kaare Mölbak vom dänischen Serum-Institut gegenüber Medien festhielt.

Besorgniserregende Mutation

Schon im Juni wurde an drei Orten in Nordjütland beobachtet, dass Nerze sich mit dem in der dänischen Bevölkerung zirkulierenden neuartigen Coronavirus infizierten. Der Staat ergriff umgehend Massnahmen und liess die Tiere der betroffenen Farmen keulen. Die Lage beruhigte sich zunächst. Mit Blick auf den November, wenn die Tiere sogenannt pelzreif sind, verzichteten die Behörden offenbar auf ein strengeres Regime. Ein zweiter Ausbruch im Oktober war jedoch schon bedeutend grösser und betraf bereits rund 1,5 Mio. Tiere auf mehreren Dutzend Farmen. Diese wurden abgetan. Die Regierung liess um die Farmen einen Quarantäne-Ring von 7,8 Kilometern Radius ziehen.

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