„Wirecard war Finanzierungsdarknet für Milizen“


Eine Aussage im Wirecard-Ausschuss des Bundestags könnte weitreichende Folgen haben – das Untersuchungsspektrum dürfte erweitert werden.

Albert Funk | DER TAGESSPIEGEL

Nach ihm wird gesucht: Jan Marsalek, Ex-Vorstand von Wirecard.Foto: Daniel Bockwoldt/picture alliance/dpa

Noch hat der Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags nicht richtig begonnen. Auch die zweite Sitzung am Donnerstag fand ohne Öffentlichkeit statt. Es fehlen noch Akten, unter anderem aus dem Kanzleramt und dem Bundesfinanzministerium, auf deren Grundlage die neun Ausschussmitglieder ihre Befragung von Zeugen beginnen können. Erste Zeugen hat der Ausschuss daher erst für den 19. November geladen, dann wird die Runde auch öffentlich sein. Befragt werden soll dann auch schon der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, der aktuell in Untersuchungshaft sitzt.
Im Gegensatz zum zweiten mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Bilanzfälschungen, dem flüchtigen Vorstandsmitglied Jan Marsalek. Der aber stand schon am Donnerstag im Mittelpunkt der Anhörung von Sachverständigen. Einer von ihnen, der Unternehmer Kilian Kleinschmidt, hatte Kontakt mit Marsalek bei einem Projekt in Libyen, das sich offenbar als Abschottungsaktion gegen Flüchtlinge entpuppte, wie der SPD-Abgeordnete Jens Zimmermann berichtete.

„Zahlungsträger für V-Leute“

Kleinschmidt, der aus dem Projekt ausgestiegen sei, habe dem Ausschuss dargelegt, dass Wirecard als „Finanzierungsdarknet für Milizen und Dienste“ gedient habe. Man habe Wirecard genutzt, um Geld in schwierige Gebiete zu bekommen, „ein praktischer Zahlungsträger für V-Leute und Informanten“.

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