Beim Thema Islamkritik scheitert das demokratische Gespräch


Die Reaktionen, die auf Terrorakte radikaler Islamisten folgen, ähneln sich immer – und sie verfehlen ihr Ziel. Ein anderer Blick auf das Phänomen könnte den Weg zur Verständigung ebnen.

Amir Dziri | Neue Zürcher Zeitung

Frankreich steht unmissverständlich für seine Werte ein – das hat in muslimischen Ländern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Gardist in der Aufnahme präsentiert bei einer Trauerfeier im Hof der Sorbonne ein Porträt des ermordeten Lehrers Samuel Paty. François Mori / AP

Der Lehrermord in Conflans und die Attentate in Nizza, Dresden und Wien, allesamt von radikalen Islamisten mit maximaler Skrupellosigkeit begangen, haben eine neue Debatte über den gesellschaftlichen Umgang mit islamistischem Terror ausgelöst. In zahlreichen Medien wird seither vor allem über eine allzu zögerliche Verurteilung der Anschläge durch linke Stimmen diskutiert, die dadurch islamistischem Terror Schutz böten. Der SPD-Politiker Kevin Kühnert erhielt auf seine Forderung, dass die Linke sich intensiver mit ihrem derzeit grössten blinden Fleck – dem Islamismus – beschäftige, parteiübergreifende Resonanz.

Zudem ertönt erneut der laute Ruf nach entschiedenerer Distanzierung von islamistisch motivierten Anschlägen und dem radikalen Islamismus seitens muslimischer Verbände. So folgt auch die jetzige Diskussion ihren bisherigen Mantras: Konfrontation zwischen links und rechts, die Diskussion, ob der Terror im Islam selbst gründe, die an muslimische Verbände gerichtete Forderung nach Distanzierung einerseits und die seitens der Muslime geäusserte Kritik am gegen sie gerichteten Pauschalverdacht andererseits. Vielleicht ist es an der Zeit, das diskursive Feld neu zu ordnen und den radikalen Islamismus als das zu sehen, was er im Grunde ist: eine Spielart im Spektrum rechtsextremer Ideologien.

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