Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi: Von der Hoffnungsträgerin zur großen Enttäuschung


Myanmar wählt am Sonntag mitten im Lockdown. Frustrierte Wähler könnten am Image der einstigen Demokratie-Ikone kratzen.

Ingrid Müller | DER TAGESSPIEGEL

Aung San Suu Kyi auf dem Weg zur Stimmabgabe für die kommenden Parlamentswahlen.Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa

Corona hat Myanmar lahmgelegt – aber wählen sollen die Bürger am Sonntag trotzdem. Die Abstimmung mutet ein wenig wie ein dejá vu aus Zeiten der Militärdiktatur an. 2008 ließen die damals herrschenden Generäle kurz nach dem verheerenden Zyklon Nargis keine Hilfe für die Opfer ins Land, aber die Bevölkerung musste über eine neue Verfassung abstimmen.

Die sichert dem Militär bis heute zentrale Befugnisse und eine Mehrheit im Parlament. Aber heute ist die damalige Heldin der Demokratiebewegung, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, als Staatsrätin de facto Regierungschefin des asiatischen Landes.

Präsidentin werden – ihre Wunschposition – darf die 75-Jährige allerdings wegen einer Verfassungsklausel noch immer nicht. Die Wahlen gelten als Stimmungstest für die Popularität der Lady und ihrer National League for Democracy (NLD), in der weiterhin vor allem ihre inzwischen recht alten, früheren Weggefährten sitzen.

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