Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

coronavirus sars-cov-2

In der Pandemie sind viele Bürger verunsichert, welchem Experten sie Glauben schenken sollen. Da hilft eine einfache Überlegung.

Felix Hütten | Süddeutsche Zeitung

Die Virologin Melanie Brinkmann kritisiert, dass die Gefahr des Coronavirus in Diskussionen diesen Sommer in Frage gestellt wurde.(Foto: Thomas Trutschel/photothek.de via http://www.imago-images.de/imago images/photothek)

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen sich manchmal gezwungen, auf den Tisch zu hauen. Diese Woche fand Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, deutliche Worte: „Ich bin es ehrlich gesagt etwas leid“, sagte sie. „Wir haben den Sommer damit verschwendet, darüber zu diskutieren, wie gefährlich das Virus eigentlich ist.“ Und weiter: „Ich erzähl doch auch dem Automechaniker nicht, wo der Motor am Auto ist.“

Es ist ja nur verständlich. Aus Sicht von Forschern, die sich täglich mit Viren beschäftigen, wirkt es einigermaßen seltsam, dass es in Deutschland derzeit gefühlte 80 Millionen Bundestrainer, also nein, Virologen gibt, die über PCR-Primer, Exponentialfunktionen und Spike-Proteine beratschlagen. Und mitunter sogar meinen, es besser zu wissen als Brinkmann und Kollegen. Interessanterweise aber, und das muss man einmal deutlich aussprechen, sind viele der in den sozialen Medien von Hobby-Epidemiologen und „Querdenkern“ aufgestellten Behauptungen schlichtweg falsch. Die Details zu Sars-CoV-2 sind dann doch ein bisschen komplexer, als es so manch Verschwörungs-Chatgruppe suggeriert.

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