Mehr Mut zum Streit über Corona


Während die Gegner der Corona-Maßnahmen in Leipzig wieder Stärke zeigen, tut sich die linke Bewegung noch immer schwer, kritisch darüber zu diskutieren

Peter Nowak | TELEPOLIS

In Leipzig hat sich am Samstag gezeigt, dass die Gegner der Coronamaßnahmen weiterhin mobilisierungsfähig ist. Die von Oberverwaltungsgericht Leipzig erlassene Obergrenze von 16.000 Demonstranten war überschritten worden. Deshalb wurde die die Demonstration am späten Nachmittag von der Polizei aufgelöst.

Die in den Medien erwähnten Demonstrationen im Leipziger Stadtteil Connewitz haben allerdings einen anderen Grund. Vor wenigen Tagen gab es Razzien der Polizei im linken Milieu. Dabei wurde gegen eine Frau Haftbefehl erlassen. In der aktuellen Berichterstattung über das Demonstrationsgeschehen in Leipzig wurde da oft nicht genug differenziert. Die große Resonanz der Querdenken-Bewegung zeigt, dass die Kritiker der Corona-Maßnahmen durch den zweiten Lockdown wieder Zulauf bekommen.

Warum brachen die Teilnehmerzahlen in Konstanz ein?

Bei den bundesweiten Querdenker-Aktionen am 3. Oktober in Konstanz hingegen war die Teilnehmerzahl wesentlich geringer. Es gibt wahrscheinlich mehrere Ursachen für diesen Rückgang. Konstanz liegt nicht besonders verkehrsgünstig in Deutschland.

Ein Grund für den Rückgang der Teilnehmer in Konstanz dürfte aber auch daran gelegen haben, dass große Teile der organisierten Rechten nicht nach Konstanz mobilisiert haben. Sie waren dagegen, dass die Querdenker-Bewegung die ursprünglich in Berlin angekündigte Demonstration kurzfristig verlegt hat. Nach Leipzig allerding mobilisierten verschiedene Rechte wieder. Schließlich ist der 7. November in Leipzig ein für die Rechte symbolisches Datum. Vor 30 Jahren wurde die Opposition gegen die autoritäre SED-Herrschaft in Leipzig zur deutschnationalen Bewegung. Der 7. November in Leipzig war der Beginn der „Wir sind ein Volk“-Bewegung mit den dazu gehörigen Schwarz-rot-goldenen Fahnen. Rechte versuchen heute an diese Aktionen anzuknüpfen. Daher hat die Demonstration am 7. November in Leipzig für die Rechten eine besondere Bedeutung.

Dass die Querdenker-Bewegung den Ort und Termin für ihre Großdemonstration auswählten, ist ein klares Statement, sich eben nicht nach rechts abgrenzen zu wollen und zu können. Konstanz hat auch gezeigt, dass die Querdenker ohne Unterstützung bundesweiter rechter Strukturen schnell an ihre organisatorischen Grenzen stößt.

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