Der Prophet Mohammed darf kritisiert werden – auch von Muslimen


Einmal mehr rächen sich islamische Extremisten blutig für den respektlosen Umgang mit ihrem Propheten. Aber nicht einmal der Koran behauptet die Unfehlbarkeit Mohammeds.

Abdel-Hakim Ourghi | Neue Zürcher Zeitung

Die um 1800 entstandene Miniatur zeigt die Ankunft des Propheten in Medina. Wie es die Tradition gebietet, ist Mohammeds Antlitz verhüllt, auch die Gesichter seiner Anhänger hat der Künstler geschickt kaschiert. Alamy

Die muslimisch-arabische Geschichtsschreibung war nie blind für die Auseinandersetzungen, welche die Expansion des Islams seit seiner Entstehung im siebten Jahrhundert begleiteten. So wurde die Ära der politisch motivierten Gewalt in der Entstehungszeit des Islams bereits von frühen Biografen beschrieben, zum Beispiel von Abd al-Malik Ibn Hisham (gestorben um 830) in «Die Biografie des Propheten» oder vom Historiker al-Waqidi (gestorben 822) in seinem «Buch der Feldzüge», in dem er die Beutezüge und Racheaktionen des Propheten als Kriege bezeichnete.

Diese Kampfhandlungen fanden statt, nachdem Mohammed im Jahr 622 Mekka verlassen und in Medina ein politisch-religiöses Gemeinwesen gegründet hatte. Ab diesem Zeitpunkt waren die Feinde der neuen Religion nicht mehr nur arabische Heiden und Ketzer, sondern auch Anhänger der anderen monotheistischen Religionen.

Einschüchterung durch Mord

Am 4. September 624 liess Mohammed den Dichter Kaab Ibn al-Ashraf, einen der Anführer des jüdischen Stammes Banu an-Nadir, hinrichten. Dieser war sein Widersacher und verfasste Schmähgedichte über ihn und seine neue Gemeinde. Der Prophet soll seinen Anhängern befohlen haben: «Wer erlöst mich von Kaab Ibn al-Ashraf? Denn er hat Gott und seinen Propheten gekränkt.» Mohammeds Getreue folgten seinem Ruf, töteten den Dichter, trugen seinen abgetrennten Kopf zu Mohammed und riefen dabei: «Allahu akbar!» Er unterbrach sein rituelles Nachtgebet und rief ebenfalls: «Allahu akbar!»

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