Holprige Aufarbeitung – Missbrauchsfälle und die Evangelische Kirche


Seit zwei Jahren forciert die evangelische Kirche die Aufarbeitung von Missbrauch in ihren Reihen. Betroffene kritisieren unübersichtliche Strukturen und fehlende Unabhängigkeit. Ein Betroffenenbeirat soll der EKD bei der Aufklärung helfen.

Franziska Hein | evangelisch.de

Als Katharina Kracht in einer Nacht im August 2015 plötzlich im Internet einen Hinweis auf eine Ansprechstelle für Opfer sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche findet, ist sie erleichtert. Sie habe nicht gezögert, eine Mail an die angegebene Adresse zu senden und sich damit als Opfer zu offenbaren, schildert Kracht heute. „Ich glaubte, hier bin ich in sicheren Händen, ich hab es doch mit der evangelischen Kirche zu tun.“ Heute empfindet sie diese Annahme als „naiv“.

Stattdessen sei sie auf einen Flickenteppich an zuständigen Stellen gestoßen, der intransparent und verwirrend sei. Sie sei in den 90er Jahren von einem Pfarrer ihrer Gemeinde über mehrere Jahre missbraucht worden, berichtet Kracht in einem von Betroffenen organisierten Pressegespräch, kurz bevor das Kirchenparlament der evangelischen Kirche am Sonntag und Montag auch über das Thema Missbrauch berät.

Kracht ist eine von rund 881 Betroffenen sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und in der Diakonie, die sich an die Kirche gewandt haben. Wie groß die Dunkelziffer ist, ist unklar.

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