Franchise-Kopfabschneiden in Mosambik


Eine Dschihadistengruppe, die sich dem IS anschloss, hat in dem ostafrikanischen Land über 50 Menschen enthauptet

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

So präsentieren sich die mosambikanischen Dschihadisten auf Telegram

Dschihadisten haben im Norden Mosambiks in den letzten Tagen die Dörfer Nanjaba und Muatide überfallen und unter Allahu-Akbar-Rufen angezündet. Bewohnern, die sich erfolglos im Wald verstecken wollten, wurden Zeugenaussagen nach die Köpfe abgeschnitten. In Nanjaba waren es zwei, in Muatide, wo man sie auf einem Fußballplatz zusammentrieb, mehr als 50. Frauen und Kinder wurden verschleppt.

Swahili Sunna

Die Täter sind in Mosabik vor allem unter dem Namen „al-Shabaab“ (arabisch für „die Jugend“) bekannt, aber nicht mit der gleichnamigen somalischen Gruppe identisch. Während die Somalis zu al-Qaida gehören hat sich die mosambikanische al-Shabaab im letzten Jahr dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen. Der beansprucht seitdem in seinem Propagandaorgan Amaq die in Mosambik durchgeführten Glaubensmorde für sich.

Erstmals Aufmerksamkeit erregte die mosambikanische al-Shabaab 2015 in der von Swahili bewohnten Hafenstadt Mocimboa da Praia 2015, als ihre Anhänger die etablierten Moscheen mit Schuhen betraten, um auf diese Weise zu zeigen, dass sie den dort gepredigten nichtdschihadistischen Islam als Apostasie betrachteten. Zwei Jahre darauf begannen sie mit Morden, denen Schätzungen nach inzwischen eine drei- bis vierstellige Zahl von Menschen zum Opfer fiel. Amaq veröffentlichte Videos zeigen außerdem, dass es den auch unter den Namen „Swahili Sunna“, „Ansar al-Sunna“ und „Ahlu al-Sunna“ auftretenden Dschihadisten in Mocimboa da Praia und in den Bezirken Muidumbe und Quissanga gelang, Sicherheitskräfte zu töten und dabei in größerem Umfang Schusswaffen und Uniformen zu erbeuten.

All diese Gebietskörperschaften liegen im Norden Mosambiks, in der Provinz Cabo Delgado. Sie ist neben der Nachbarprovinz Niassa die einzige mit einer moslemischen Bevölkerungsmehrheit im zu gut vier Fünfteln nichtislamischen Mosambik. Aber auch in diesen beiden Provinzen gibt es viele Christen, Atheisten, Agnostiker und Anhänger von Volksreligionen: In Niassa sind es 39 Prozent der Bevölkerung, in Cabo Delgado 46.

Praktisch ausschließlich Moslems sind vor allem die Swahili, die in Mosambik etwa sieben Prozent der Bevölkerung stellen. Dass sie auch an den Küsten Kenias und Tansanias leben erleichterte es Islamisten von dort, polizeilichem Druck auszuweichen und ihrem Dschihad in Mosambik nachzugehen.

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