Terroranschlag in Wien: Muslime müssen tolerant sein gegen die Zumutungen der Religionskritik


Der islamische Fundamentalismus ist die grosse Bedrohung der Zeit. Wir müssen ihn mit Entschiedenheit bekämpfen. Aber wir dürfen damit nicht zugleich die Grundlagen schaffen, die ihn fördern.

Georg Pfleiderer | Neue Zürcher Zeitung

Liberale Demokratien müssen ihre Grundlagen verteidigen: Dazu gehört die Toleranz. Aber sie hat dort ein Ende, wo sie mit Terrorakten herausgefordert wird. Georges Schneider / Imago

Europa wird den islamistischen Terror nicht los. Die Attentate von Conflans-Sainte-Honorine, Nizza und nun auch Wien belegen, dass die Bedrohung durch islamistisch motivierte Terrorakte keineswegs gebannt ist; der Islamische Staat verfügt noch über genug «Schläfer», deren Tötungsbereitschaft jederzeit erwachen kann. Auch in der Schweiz, nicht nur in Winterthur. Kein Land ist davor sicher, nicht einmal Österreich mit dem völkeroffenen, toleranten Wien, das von solchem Terror seit Jahrzehnten verschont geblieben ist.

Und schon gar nicht Frankreich mit seiner laizistischen Tradition, die ihren religiösen Minderheiten oder Mehrheiten seit der Französischen Revolution besondere Zumutungstoleranz gegenüber Religionskritik jeder Art, auch und gerade humoristischer, abverlangt. In der Tat ist solche Toleranz für religiöse Gemeinschaften und Individuen ein Billett zum Eintritt in eine moderne Zivilgesellschaft, sozusagen ihr Taufschein. Wer ihn nicht vorweisen kann, muss Schwierigkeiten bekommen. Blasphemie müssen religiöse Menschen ertragen können, zumal, wenn sie von Un- oder Andersgläubigen kommt.

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