„Der politische Islam ist eine extremistische Ideologie“


Vor fünf Jahren ermordeten islamistische Attentäter in Paris 130 Menschen. Die Ethnologin Susanne Schröter wirft der Politik vor, den radikalisierten Islam noch immer zu verharmlosen. Ihrer Ansicht nach ist er mit dem Rechtsextremismus vergleichbar.

Susanne Schröter im Gespräch mit Stephan Karkowsky | Deutschlandfunk Kultur

Die Ethnologin Susanne Schröter erhebt schwere Vorwürfe gegen islamische Communities in Deutschland: Viele Muslime unterstützten Terroristen ideologisch, sagt sie. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Stephan Karkowsky: Es war wie heute ein Freitag, als vor genau fünf Jahren islamistische Attentäter Paris angriffen und im Konzertsaal Bataclan, in Bars und Restaurants 130 Menschen ermordeten, mehr als 600 wurden verletzt, und es waren nicht die letzten mörderischen Angriffe von Islamisten in Europa.

Seitdem wird einmal mehr diskutiert, diese Woche auch auf der Islamkonferenz: Was kann, was muss getan werden, um die Radikalisierung junger Muslime zu verhindern? Sprechen möchte ich darüber mit der Frankfurter Professorin für Ethnologie, Susanne Schröter, Direktorin des Forschungszentrums Globaler Islam. Sie haben kürzlich eine Erklärung mitunterschrieben, die dazu auffordert, den politischen Islam als Gefahr für Deutschland ernst zu nehmen. Wer tut das denn Ihrer Ansicht nach bislang nicht oder nicht ausreichend?

Schröter: Fragen Sie mal lieber, wer den politischen Islam ernst nimmt. Die Tabuisierung des Themas, auch schon des Begriffes politischer Islam, geht durch alle Parteien, wenn man mal die Politik nimmt.

Ganz besonders natürlich auf der Seite der linken Organisationen, Parteien, bis in die SPD, in die Grünen hinein, wo man sehr schnell, wenn man allein eine bestimmte Terminologie benutzt, schon als antimuslimische Rassistin, als islamophob oder Ähnliches denunziert wird.

Aber diese Verweigerungshaltung, der Realität ins Auge zu sehen, die geht auch in die Reihen der CDU bis in die CSU hinein. Ich frage mich auch manchmal, was eigentlich los ist, dass man zum Beispiel nach diesen vielen Jahren Islamkonferenz immer noch außerordentlich blauäugig nur auf bestimmte Akteure setzt, nämlich auf Akteure, die in großen islamischen Vereinigungen organisiert sind, die allesamt ein außerordentlich problematisches Islamverständnis haben und von denen die Mehrheit auch noch auslandsabhängig ist, das heißt abhängig ist von der türkischen Regierung, der iranischen Regierung oder anderen ausländischen Akteuren.

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