Becciu gegen Pell – ein Machtkampf zwischen zwei Kardinälen, in dem es um Korruption und undurchsichtige Geschäfte geht


Zu lange hat Papst Franziskus den falschen Leuten vertraut. Jetzt hat im Vatikan das Aufräumen begonnen, in einem Gestrüpp von Intrigen.

Andres Wysling | Neue Zürcher Zeitung

Der erste Verdacht: Kardinal Giovanni Angelo Becciu, bis unlängst einer der mächtigsten Männer im Vatikan, soll mit unlauteren Spekulationen mehrere hundert Millionen Euro veruntreut und verspielt haben. Unter anderem habe der 72-jährige Italiener den für die Armenfürsorge bestimmten «Peterspfennig» geplündert.

Der zweite Verdacht: Kardinal Becciu soll mit gekauften Zeugen den 73-jährigen australischen Kardinal George Pell ins Gefängnis gebracht haben. Um seinen eigenen Finanzmissbrauch zu vertuschen, habe er seinem Gegner einen erfundenen Kindesmissbrauch angehängt. Pell wurde in Australien zuerst verurteilt und eingesperrt, dann aber wieder freigesprochen. Jetzt ist er wieder in Rom.

Ermittlungen gegen Becciu und weitere Personen zu beiden Verdachtspunkten sind im Gang. Papst Franziskus hat sein Urteil anhand der ihm vorliegenden Informationen gefällt, oder er hat jedenfalls seine Position neu festgelegt. Am 24. September jagte er Becciu aus Amt und Würden. Am 12. Oktober empfing er Pell in Privataudienz, ein Zeichen von dessen umfassender Rehabilitation.

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