„Datenspenden“ für die Forschung: Einwilligung soll wegfallen


Solange Patient*innen nicht aktiv widersprechen, sollen ihre Behandlungsdaten Forscher*innen zur Verfügung stehen. Bislang ist Zustimmung nötig.

Klaus-Peter Görlitzer | taz

Blutprobenanalyse einer Person in Behandlung kann viel über sie verraten Foto: Fleig/Eibner Pressefoto/imago

Wer schweigt, soll zugestimmt haben – diese eigenwillige Logik, genannt „Widerspruchslösung“, scheint für PolitikerInnen und wissenschaftliche BeraterInnen zunehmend attraktiv zu werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der SPD-Medizinexperte Karl Lauterbach hätten solch eine Regelung gern für die Transplantationsmedizin eingeführt. Ihre Idee: Menschen, die ihre Bereitschaft zur Organentnahme zu Lebzeiten nicht geäußert haben, gelten im Fall des „Hirntods“ automatisch als mögliche SpenderInnen. Der entsprechende Gesetzentwurf fand im Januar 2020 aber keine Mehrheit im Bundestag.

Nun empfehlen ausgewählte Fachleute ein ähnlich konstruiertes Modell – und zwar im Interesse medizinischer Forschung. Darauf aufmerksam machte die Universität Kiel. Ihre Pressemitteilung vom 14. August, über die kaum berichtet wurde, erklärt: „In einem Gutachten für das Bundesgesundheitsministerium (pdf-Datei) sprechen sich Kieler Wissenschaftler für ein Widerspruchsmodell aus.“

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