Kirchenhistoriker fordert Umdenken bei Papst-Heiligsprechungen


Das Bild des Heiligen Papstes Johannes Paul II. hat Kratzer bekommen, seitdem es neue Erkenntnisse über Missbrauchs-Vertuschung gibt. Der Kirchenhistorker Klaus Unterburger fordert ein Umdenken, nicht nur, wenn es um JP2 geht. 

DOMRADIO.DE

Prof. Dr. Klaus Unterburger (Kirchenhistoriker Uni Regensburg): Als Forderung ist es zunächst mal ein Anliegen von vielen Gläubigen gewesen, die vor allem das Sterben dieses Papstes gesehen haben, das Leiden, das geduldige Leiden. Es gibt ganz klare Kriterien und Verfahrensregeln für einen solchen Heiligsprechungsprozess. Da ist die Frage, ob man sich nicht etwas mehr Zeit hätte lassen können, bevor man dann zur Heiligsprechung geschritten ist.

DOMRADIO.DE: Der Seligsprechungsprozess war ja in der Tat wegen der Nähe Johannes Pauls zum pädokriminellen Gründer der Legionäre Christi dann ins Stocken geraten. Aber es waren dann wohl andere Verdienste, die dann 2011 doch noch so Seligsprechung geführt haben. Welche sind das denn gewesen?

Unterburger: Da kann man natürlich ganz vieles aufzählen. Bei der Seligsprechung geht es ja prinzipiell nicht darum, dass jemand in allen Bereichen der perfekte Mensch ist. Es geht vielmehr darum, dass man im Glauben, Hoffnung, Liebe in den Tugenden, so herausragend dem Anruf der Gnade gefolgt ist, dass man sein Leben ganz dafür eingesetzt hat. Und das bezeugt man.

Aber die Frage ist, ob nicht doch in diesem Bereich der Papst, wie viele in der Kirche, ein Stück weit weggesehen hat oder das in der Ausübung seines Amtes falsch eingeschätzt hat. Da gibt es ja zahlreiche Fälle im Pontifikat Johannes Pauls II.

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