Publizist Slim: Spannung zwischen Meinungsfreiheit und Religion aushalten


In der Debatte um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen und Meinungsfreiheit hat der Journalist Sebastian Engelbrecht für mehr Rücksicht auf religiöse Gefühle geworben.

Deutschlandfunk-Nachrichten

Artikel 5 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“ (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Er sei davon überzeugt, dass das Recht auf Blasphemie kein westlicher Wert sei, sagte der Theologe in der Sendung „Streitkultur“ im Deutschlandfunk. Er glaube nicht, dass es zu den Werten der europäischen Demokratie gehöre, sich über Religionen lustig zu machen. Engelbrecht warnte vor einer Spirale der Aggression, die durch Blasphemie verstärkt werden könne. Dies zeige sich in Frankreich, wo es einen „aggressiven Ton“ seitens des Staates und der Gesellschaft gebe und mit Nachdruck das Recht auf Meinungsfreiheit deklamiert werde.

Der frühere Bundeswehrsoldat und Publizist Mohammed Ali Slim erklärte dagegen, die Religionsfreiheit habe für ihn Grenzen. Als Beispiel nannte er den Missbrauch des Glaubens für die Verbreitung von Terror. Als muslimischer Demokrat müsse man die Spannung zwischen Meinungsfreiheit und Religion aushalten, wenn man in einer freien demokratischen Gesellschaft leben wolle. Slim betonte, sein Islam kenne „keinen Terror“. Er räumte ein, dass er sich mit seinen öffentlichen Äußerungen einem Risiko ausgesetzt sehe. Er habe große Resonanz und Gegenwind erfahren. Damit habe er in dieser Weise nicht gerechnet.

Die jüngste Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen hatte in Teilen der muslimischen Welt für Proteste gesorgt. Der in Frankreich von einem mutmaßlichen Islamisten enthauptete Lehrer Samuel Paty hatte im Unterricht die Karikaturen als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt. Staatspräsident Macron sieht die Veröffentlichung solcher Werke von der Meinungsfreiheit gedeckt. Viele Muslime lehnen eine bildliche Darstellung des Propheten ab und empfinden sie als beleidigend – explizit verboten ist dies im Koran aber nicht.