Was die Islamkonferenz leisten kann


Die Kritik ist nicht neu: In der Islamkonferenz säßen nur konservative Verbände, ausländische Einflüsse würden nicht zurückgedrängt und die Imam-Ausbildung komme nicht voran. Doch einige der Vorwürfe sind überzogen.

Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Schwere Vorwürfe: Das Bundesinnenministerium von Horst Seehofer biedere sich in der Deutschen Islamkonferenz der Türkei an, es sei mitverantwortlich für den Erdogan-Kult in Deutschland Bild: dpa

Der Vorwurf ist starker Tobak. Das Bundesinnenministerium biedere sich in der Deutschen Islamkonferenz der Türkei an, es sei mitverantwortlich für den Erdogan-Kult in Deutschland und für die Aufwertung von Ditib, dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet, schreibt der aus Ägypten stammende Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad auf seiner Facebook-Seite und ruft dann aus: „Nein, ich mache nicht mehr mit.“

Ein Beleg für diese Anschuldigungen lässt sich in der Rede, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in einer Videokonferenz mit islamischen Verbänden und Einzelpersonen gehalten hat, nicht finden. Vielmehr sagte Seehofer, seine Erwartung sei, dass „die Türkei von nun an Schritt für Schritt die Zahl der nach Deutschland entsendeten Imame reduziert“. Das Ministerium werde diesen Prozess eng begleiten. Ähnliche Ziele verfolgten Frankreich, Österreich und die Niederlande. Wenn Europa zur Heimat muslimischer Bürgerinnen und Bürger geworden sei, bedürfe es keiner Einmischung und Einflussnahme von außen mehr.

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