Niederlande: Häuser, die in Trockenheit versinken


Um nicht unter dem Meeresspiegel zu versinken, pumpten die Niederlande jahrhundertelang ihr Land trocken. Doch nun stehen viele Wohnhäuser auf ausgedörrtem Fundament – und sacken dadurch gefährlich ab.

Gudrun Engel | tagesschau.de

Mann zeigt auf beschädigtes Mauerwerk | Bildquelle: ARD Brüssel

„Wenn wir nicht schnell etwas ändern, werden wir drei bis vier Millionen Häuser verlieren!“ So schildert Dick de Jong, Städtebau-Ingenieur und Leiter des Zentrums für Fundamentsprobleme die aktuelle Situation in den Niederlanden. Denn so viele Häuser sind auf Holzpfähle gebaut – 400.000 Immobilien sind bereits von morschen Fundamenten betroffen.

Pieter und Ellen Dekker haben für ihren Traum vom Landleben und ihre 15-jährigen Zwillinge 2005 einen einsamen Bauernhof in Spange am Südrand von Friesland gekauft. Das alte Gebäude aus dem Jahr 1864 hat Charme, Ellen hat sich sofort in die Stockrosen an der verwitterten Außenfassade verliebt. Eine baukundliche Untersuchung sagte damals noch: alles in Ordnung. Zehn Jahre lang haben sie mit Liebe renoviert. „Es ist unser absolutes Traumhaus“, berichtet Ellen Dekker, „aber unser Traum hat Risse bekommen – im wahrsten Sinne des Wortes“!

2012 zeigte sich der erste Riss, hinten an der Scheune, da ahnten sie noch nichts. 2016 begannen die Probleme: Eine Ritze am Fenster hier, eine klemmende Tür dort. Im trockenen Sommer 2018 führte die Regenrinne plötzlich in die andere Richtung, überall neue Risse, die sichtbar wachsen. Es kracht und arbeitet im Gebälk. Eine Inspektion ergab: Das Fundament ist durch den sinkenden Grundwasserspiegel verrottet. Ihr Haus ist schon ganze zwölf Zentimeter abgesackt, das Vorderhaus von den Holzfundamenten gerutscht. Bald wird es unbewohnbar sein. Die Balken unter dem Fundament sind morsch und nicht mehr zu retten – ein Schaden von einer halben Million Euro.

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