Der «Charlie Hebdo»-Prozess sollte einen Schlussstrich ziehen: Weshalb das nicht gelingen will


Im Pariser Prozess gegen die mutmasslichen Helfer der Attentäter vom Januar 2015 läuft vieles anders als geplant. Daran ist nicht nur Corona schuld. Im Gerichtssaal vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart auf beängstigende Weise.

Nina Belz | Neue Zürcher Zeitung

Nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» ist die Solidarität gross; hier auf einer Kundgebung in Brüssel. Für Frankreich ist die Geschichte bis heute nicht abgeschlossen. Julien Warnand / EPA

Am Wochenende hätten in Paris eigentlich die Verhandlungen im Prozess gegen die mutmasslichen Helfershelfer der Anschläge auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» sowie auf einen koscheren Supermarkt im Januar 2015 zu Ende gehen sollen. Der Termin war schon einmal um ein paar Tage verschoben worden. Doch vor zweieinhalb Wochen wurden die Sitzungen ganz ausgesetzt, nachdem die Corona-Pandemie den Gerichtssaal erreicht hatte. Drei der Angeklagten wurden positiv getestet, nachdem einer von ihnen Symptome gezeigt hatte und in einer Mittagspause zusammengebrochen war.

Vor der Zwangspause hatte das Gericht Ali Riza Polat und Personen aus seinem Umfeld verhört. Polat, so vermuten die Ermittler, war das Bindeglied zwischen den Brüdern Chérif und Said Kouachi und ihrem Angriff auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion am 7. Januar 2015 sowie Amedy Coulibaly und seiner Attacke auf eine Polizistin und einen jüdischen Supermarkt in den darauffolgenden Tagen. Seine Befragung ist zentral für die Suche nach den Hintergründen und Zusammenhängen der Anschläge, die fünfeinhalb Jahre später noch im Dunkeln liegen – auch weil die drei Attentäter tot sind.

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