Covid-Origins: Vielleicht doch kein „China-Virus“?

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Aktuellen Befunden zufolge trat das Coronavirus in Italien bereits im September 2019 auf

Thomas Schuster | TELEPOLIS

Aus der Welt der Superhelden und der Superschurken ist bekannt, dass jeder gestandene Protagonist eine ordentliche Vorgeschichte, auf Neudeutsch: „Back-Story“, braucht. Die Back-Story macht den Plot plausibel und verleiht den Handlungen der Charaktere einen Sinn. Oft wird die Hintergrundgeschichte nur Stück um Stück enthüllt. Nicht selten wird sie nachträglich revidiert.

Ähnlich die komplizierte Vorgeschichte von COVID-19, die, das liegt wohl in der Natur der Sache, nur stückweise bekannt wird und gelegentlich wieder aufgeräumt werden muss. So wurde gerade bekannt, dass das neue Coronavirus vermutlich bereits im September 2019 in Italien auftrat. Darauf jedenfalls weisen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Nationalen Krebsinstituts (Instituto Nationale dei Tumori, INT) in Mailand hin.

Die Forscher untersuchten Blutproben aus Lungenkrebs-Screenings, die bis in den September 2019 zurückreichen. Dabei seien Antikörper, die für SARS-CoV-2 spezifisch sind, in Proben von asymptomatischen Patienten aus ganz Italien festgestellt worden.

Damit zeige sich, so die Autoren, eine sehr frühe Verbreitung des neuen Coronavirus unter asymptomatischen Personen, mehrere Monate bevor der erste Patient in Italien identifiziert wurde. „Das Auffinden von SARS-CoV-2-Antikörpern bei asymptomatischen Personen vor dem Covid-19-Ausbruch in Italien“, so die Forschergruppe des INT, „könnte die Geschichte der Pandemie verändern.“ Der erste laborbestätigte italienische Covid-Fall wurde am 20. Februar registriert.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass auch an der Universität Siena Antikörpertests im Zusammenhang mit der Studie durchgeführt wurden. Dabei habe man vier Fälle entdeckt, die Anfang Oktober 2019 aufgetreten seien. Dies bedeute, einem Koautor der Studie zufolge, dass die Infektionen im September stattgefunden hätten.

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