Ein V-Mann und viele neue Fragen

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Ein V-Mann des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern lieferte brisante Hinweise auf mögliche Helfer des Attentäters Anis Amri. Doch der Dienst gab diese nicht weiter.

Michael Götschenberg, Georg Heil, Marcus Weller | tagesschau.de

Bild vom Breitscheidplatz in Berlin am 19.12.2016 | Bildquelle: dpa

Es waren hochbrisante Informationen, die ein V-Mann des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern im Februar 2017, wenige Wochen nach Anis Amris Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, den Verfassungsschützern mitteilte: eine arabisch-stämmige Familie aus Berlin-Neukölln soll Amri Geld und Hinweise für die Tat gegeben und ihn nach dem Anschlag mit einem Auto aus der Stadt gefahren haben.

Demnach will der V-Mann, der in Kontakt zu der Familie stand, auch ein Gespräch zwischen vier Männern angehört haben. Dabei sollen sie geäußert haben, man habe dem „Esel“ extra noch gesagt, er solle von der anderen Seite in den Weihnachtsmarkt fahren. Denn dort hätte er mehr „Ungläubige“ ermorden können. Der V-Mann hatte keinen Zweifel, dass die Männer über Amri sprachen. Dies ergeben Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste in Kooperation mit dem ARD-Hauptstadtstudio und „Der Zeit“.

VS gab Hinweise nicht weiter

Der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern gab diese Informationen, deren Brisanz damals jedem Mitarbeiter einer Sicherheitsbehörde klar gewesen sein müsste, jedoch nicht an die Ermittler von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt weiter. Erst im Oktober 2019, fast drei Jahre später, wendete sich einer der V-Mann-Führer mit einem Brief an die ermittelnde Bundesanwaltschaft.

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