Kriegsverbrechen in Afghanistan: Mord als Aufnahmeritual


Ein Untersuchungsbericht beklagt „rechtswidrige Tötungen“ von 39 Zivilisten durch australische Sondereinheiten in Afghanistan. Neue Truppenmitglieder wurden offenbar dazu angehalten, Menschen als Initiationsritual zu töten.

Till Fähnders | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Australiens oberster General, Angus Campbell Bild: EPA

Einige „brutale Wahrheiten“ hatte der australische Premierminister Scott Morrison schon vor einer Woche angekündigt. Doch das, was am Donnerstag öffentlich wurde, übersteigt wohl die Befürchtungen, die viele mit Blick auf die Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen australischer Sondereinheiten in Afghanistan gehabt hatten. In der teils geschwärzten Version des über knapp fünf Jahre erstellten Untersuchungsberichts ist die Rede von der „rechtswidrigen“ Tötung von insgesamt 39 Afghanen durch oder unter Beteiligung von mindestens 25 australischen Soldaten. Zudem geht es um die Misshandlung von Personen unter Kontrolle der australischen Streitkräfte. Die Opfer waren Zivilisten oder zumindest keine aktiven Kämpfer. „Keine dieser mutmaßlichen Verbrechen ereigneten sich in der Hitze des Kampfes“, heißt es in dem Bericht.

Der Oberbefehlshaber der australischen Streitkräfte, General Angus Campbell, sprach in einer Pressekonferenz von „zutiefst verstörenden Anschuldigungen“ und „schweren Verstößen gegen die militärischen Verhaltensregeln und professionellen Werte“. Campbell hatte im Jahr 2016 den Generalinspekteur der Armee damit beauftragt, die Vorwürfe gegen die australischen Sondereinsatzkräfte in Afghanistan in den Jahren 2005 bis 2016 zu prüfen.

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