Ist die Philosophie zu zweiflerisch?


Wo man auch hinsieht: Verschwörungstheorien haben Konjunktur. Die streng rationale Philosophie scheint da ein probates Gegenmittel. Wäre da nur nicht diese Tradition, die selbst den Verdacht nährt, dass nichts ist, wie es scheint.

David Lauer | Deutschlandfunk Kultur

Und hinter tausend Scherben welche Welt? Mit ihrem Zweifel an der Wirklichkeit trägt Philosophie einen Keim von Verschwörungstheorie in sich. (Getty Images / Moment / Artur Debat)

Antike Geographen bezeichneten die auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel lebenden Menschen als „Antipoden“, als „Gegenfüßler“. Von uns aus gesehen, steht die Welt der Antipoden auf dem Kopf. Alles ist im wörtlichen Sinne „ver-kehrt“. Aus der Sicht der Antipoden allerdings verhält es sich genau umgekehrt: Wir sind es, die auf dem Kopf stehen. So ist das Verhältnis der Antipoden ein gegensätzliches, zugleich jedoch auch symmetrisch.

Verschwörungstheorien und Philosophie als Antipoden

Philosophie und Verschwörungstheorien sind solche Antipoden. Die Philosophin und die Verschwörungstheoretikerin nehmen beide für sich in Anspruch, durch die Oberfläche der Erscheinungen vorzustoßen in ein verborgenes Reich der Wahrheit, in deren Licht plötzlich alles Sinn ergibt. Beide begreifen dies als einen Akt der Selbstbefreiung aus den Denkfesseln des gewöhnlichen Bewusstseins. Beide rechnen damit, wegen ihrer höheren Einsicht von gewöhnlichen Menschen für verrückt und gefährlich erklärt zu werden.

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