Kleine Geschichte einer Gaunerei, die die Philosophie veränderte


Voltaire, die Lichtgestalt der Aufklärung, war reich. Steinreich genauer gesagt. So reich wie einer, der, sagen wir einmal, mit einem kleinen Trick die Staatslotterie um ein Vermögen erleichtert hat.

Richard Hemmer, Daniel Meßner | Spektrum

Die Geschichte beginnt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Frankreichs Staatsfinanzen sind in einem katastrophalen Zustand – nicht zuletzt auf Grund der berühmt-berüchtigten Mississippi-Blase, bei der der Staat zahllose Anleger in ein verheerendes finanzielles Abenteuer lockte. Richten soll es nun ein Kardinal: André-Hercule de Fleury soll sich im Auftrag seines Königs Ludwig XV. der Sache annehmen. Es gilt, gemeinsam mit dem Finanzminister Michel Robert Le Peletier des Forts Geld in die Staatskassen zu spülen.

Die naheliegende Idee, sich bei den Bürgern in Form von Staatsanleihen Kredit zu verschaffen, scheidet aus. Frisches Geld würde ihnen niemand leihen. Denn schon die bereits ausgegebenen Anleihen sind durch die prekäre Lage des Staatshaushalts beinahe wertlos geworden. Jeder wusste, dass der Staat sie auf absehbare Zeit nicht zurückzahlen können würde. Was aber, scheinen sich die beiden gedacht zu haben, wenn der Staat mit seinen Bürgern um das Geld spielte?

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