Ein Tritt ins Gemächt unserer aufgeklärten Stadt

coronavirus sars-cov-2

Die Corona-Regelung des Landes Berlin verbietet weltliche Trauerfeiern. Religiöse sind hingegen erlaubt. Unser Autor muss deswegen in die Trickkiste greifen.

Eric Wrede | Berliner Zeitung

Abstand: Stühle in der Trauerhalle eines Bestattungsunternehmens.  Foto: dpa/Christian Charisius

Manchmal macht man Quatsch in seinem Leben. Und manchmal stellt sich dann später heraus, dass der Blödsinn für irgendwas gut gewesen ist. Zugegebenermaßen mache ich privat ziemlich viel Quatsch, und das nicht erst, seit ich Bestatter bin. Stichwort: Klassenclown. Der erlauchte psychologisch versierte Leser wird sich seinen Teil denken können.

Vor Jahren plante mal ein Freund seine Hochzeit. Man wollte in Deutschland feiern und sich in Dänemark danach offiziell trauen. Das passte den Eltern der Braut irgendwie nicht. Ich schlug deshalb vor, mich online zum Priester ernennen zu lassen. Auf amerikanischen Webseiten kostet das knapp 35 Dollar. Die Ernennungsurkunde zeigten wir den Eltern. Sie haben den Spaß mitgemacht und erschienen auf der Feier. Für die Zeremonie hatte ich mir ein selbst genähtes Gewand umgeworfen und sah dabei recht feierlich aus.

Die Party zur Hochzeit wurde legendär, die Urkunde der Universal Life Church, die mich zum Priester ernannt hatte, wanderte danach jedoch tief in die Schublade.

weiterlesen