Lepra bei Schimpansen ohne jeglichen Menschenkontakt


Dank Antibiotika lässt sich Lepra behandeln. Allerdings gibt es Ausbrüche, deren Ursprung rätselhaft ist. Mit Lepra infizierte Schimpansen deuten darauf hin, dass es in Guinea-Bissau und der Elfenbeinküste natürliche Reservoire für die Erreger geben müsse, sagte RKI-Wildtierexperte Fabian Leendertz im Dlf.

Fabian Leendertz im Gespräch mit Christiane Knoll | Deutschlandfunk

Woher stammen die Erreger? Der Schimpanse ‚Woodstock‘ hat sich in freier Wildbahn mit Lepra infiziert. (Tai Chimpanzee Project)

Lepra ist ein Bakterium und kann inzwischen mit Antibiotika behandelt werden. Deshalb stecken sich immer weniger Menschen an. Infektionsketten lassen sich in manchen Fällen nicht nachvollziehen. Die Artenschützerin Kimberley Hockings hat in Guinea-Bissau zum ersten Mal wilde Schimpansen mit Lepra entdeckt. Gemeinsam mit Hockings hat der Wildtierexperte vom Robert-Koch-Institut, Fabian Leendertz, dazu eine Studie veröffentlicht.

Christiane Knoll: Wie sind Sie auf die Leprafälle unter Affen aufmerksam geworden?

Fabian Leendertz: Ja, die Kollegin hat mir eben Fotos und Videos von Kamerafallen geschickt. Die folgen den Schimpansen dort indirekt, die sind also nicht an Menschen gewöhnt, sondern die haben da diese Kamerafallen. Und auf diesen Kamerafallen haben sie eben diese wirklich fast gruseligen Fotos von entstellten Schimpansen gesehen – und uns dann geschickt, weil wir eben dafür bekannt sind, dass wir uns mit wild lebenden Primaten und vor allem Menschenaffenkrankheiten auskennen.

Kotproben lieferten den entscheidenden Hinweis

Da die Tiere ja nicht an Menschen gewöhnt sind, kann man auch nicht mal eben eine Kotprobe von denen bekannten Tieren sammeln. Sondern wir haben die dann gefragt, ob sie es schaffen können, eben Kot zu sammeln auch von diesen Tieren, denen sie eigentlich gar nicht folgen können. Und das haben die tatsächlich geschafft. Das dauert natürlich ein paar Wochen oder Monate, aber Schimpansen machen Nester jeden Abend in den Bäumen, wo sie dann schlafen. Und morgens, wenn sie aus dem Nest rausgehen, setzen sie da eben ihren Kot und ihr Urin ab. Und das Material haben die gefunden und uns dann eben geschickt.

Knoll: Und das haben Sie dann analysiert?

Leendertz: Genau! Wir nutzen sehr viel Kotproben von Wildtieren, vor allem von Menschenaffen, weil man das Material gewinnen kann, ohne dafür die Tiere in Narkose zu legen und zu stressen. Das heißt: Wir wussten schon vorher, dass wir zum Beispiel Atemwegskrankheiten im Kot gut nachweisen können. Bei Hautkrankheiten hatten wir bisher nur einen Fall, wo wir das nachweisen konnten, aber wir haben gesagt, bevor wir gar nichts machen, versuchen wir es halt. Und wir haben dann verschiedene PCR-Verfahren angewendet und konnten eindeutig Lepra nachweisen.

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