Sterbehilfe: 15 Gramm Gift, nur für den Fall


Hans-Jürgen Brennecke kämpft für sein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Ein Betäubungsmittel steht ihm zu, das Gesundheitsministerium blockiert.

Leonie Gubela | taz

Hans-Jürgen Brennecke 2018 in seinem Haus in Reppensted Foto: Joanna Nottebrock/laif

Es wäre nur ein kleines Fläschchen, das ungeöffnet und lichtgeschützt in Hans-Jürgen Brenneckes Medizinschrank stehen würde. Die Gewissheit, dieses kleine Fläschchen jederzeit nutzen zu können, würde Brenneckes Lebensqualität extrem verbessern, das weiß er. Der 76-Jährige hat Krebs und in dem Fläschchen befände sich Natrium-Pentobarbital. 15 Gramm des weißen Pulvers bräuchte er, um sein Leben zu beenden. Es gilt als sicherstes Arzneimittel für diesen Zweck.

„Eine Riesenberuhigung wäre es, zu wissen, dass ich im Notfall Zugriff darauf habe“, sagt er. „Keiner weiß, wie sein Ende aussieht, ob er es am Schluss braucht, oder nicht. Aber die Möglichkeit, es zu gebrauchen, gäbe mir die Option eines selbstbestimmten Todes.“ Das Fläschchen könnte schon seit Jahren in seinem Besitz sein und ihm das Leben erleichtern. Ist es aber nicht.

Im März 2017 entschied das Bundesverwaltungsgericht Leip­zig, dass Schwerstkranke ein Recht auf die Herausgabe von Natrium-Pentobarbital haben können. Menschen in „extremen Ausnahmesituationen“ müsse der Zugang zu einer tödlichen Dosis des Betäubungsmittels ermöglicht werden, hieß es in dem Urteil damals.

weiterlesen