Digitaler Faschismus: Die Untergangsideologen


Maik Fielitz und Holger Marcks analysieren in ihrem Buch „Digitaler Faschismus“ die Bedrohung der Debattenkultur wie überhaupt der Demokratie.

Lutz Büge | Frankfurter Rundschau

Hasskulturen, die am heimischen Laptop entstehen und wachsen. ©AFP

Das Wort klingt in den Ohren: Einzeltäter. Der Islamist im französischen Conflans soll einer gewesen sein, ebenso die Rechtsterroristen im neuseeländischen Christchurch oder in Halle und Hanau. Die Einordnung bedeutet zunächst nur, dass die Sicherheitsbehörden keine bandenförmigen, terroristischen Strukturen im Rücken der Attentäter finden konnten. Zumindest auf den ersten Blick. Doch die Täter hatten sich radikalisiert, und es ist vielfach auch bekannt, wo das geschehen ist. Sie sind Einzelne und Viele zugleich. Einzeltäter?

Folgt man der Analyse des Konfliktforschers Maik Fielitz und des Sozialwissenschaftlers Holger Marcks in ihrem Buch „Digitaler Faschismus“, dann waren diese Terroristen zwar nicht in konkrete militante Gruppen eingebunden, fanden ihre Impulse aber im „konnektiven Verbund der digitalen Hasskulturen“. So formulieren es Fielitz und Marcks und konzentrieren sich dann im Weiteren auf die rechtsextremen Tendenzen – Parallelen zum Islamismus mitgemeint.

Diese Hasskulturen sind dezentral und führungslos, aber nicht ungelenkt. Das klingt widersprüchlich, ist aber charakteristisch für „soziale Medien“, die es solchen Hasskulturen erleichtern, in die Mitte der Gesellschaft auszugreifen. Eines ihrer Merkmale: Die Hierarchien sind flach. Anführer passen da nicht richtig rein. „Influencer“ schon.

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