Großprojekt zu NS-Raubkunst: Raub nach Plan


Im Landeshauptarchiv Potsdam lagern Akten zum Holocaust, die jetzt erstmals digital erschlossen werden. Es handelt sich um eines der größten Projekte der Provenienzforschung überhaupt.

Catrin Lorch | Süddeutsche Zeitung

Wie kommt ein so privates Werk in die Berliner Nationalgalerie? „Bildnis des Verlegers Bruno Cassirer“ (1911) von Max Slevogt. (Foto: akg-images/picture-alliance / akg-images)

Das Porträt wirkt hell und freundlich, auch weil lichtes Hellblau und etwas Rosa das Gesicht von Bruno Cassirer umspielen. Dem Maler Max Slevogt war dieses Gesicht vertraut: Mit dem Verleger von Tolstoi und Dostojewski, der sein Werk durch Kunstdrucke und Vorzugsausgaben bekannt gemacht hatte, verband ihn eine Freundschaft, er nahm teil am großbürgerlichen Leben Cassirers, der nebenbei auch die Monatsschrift Kunst und Künstler herausgab und als Pferdezüchter im Trabrennsport erfolgreich war. So ein Gemälde entstand nicht für die Eingangshalle der Firma, es war privat, ja familiär.

In der verzweigten, kunstsinnigen Verwandtschaft der Cassirers schätzte man solche Bilder als Geschenke. Aber weil die Berliner Nationalgalerie kunsthistorisch der richtige Platz für das Gemälde ist, fragte sich lange niemand, warum sich eine wohlhabende Familie je von einem solchen Schatz getrennt hat.

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