Frankreich: Sicherheitsstaat Nummer 1


Polizei schlägt Schwarzen krankenhausreif. Anlass für die Entladung aufgestauter Aggressionen war, dass der Musikproduzent ohne Gesichtsmaske auf der Straße unterwegs war. Dass es Filmaufnahmen gibt, ist seine Rettung vor weiterem Unglück

Thomas Pany | TELEPOLIS

In Frankreich ist man so stolz auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im August 1789, dass man diesem Bild in wichtigen Räumen in Provinzhotels begegnet. Man kann ihm gar nicht ausweichen. Bild: Jean-Jacques-François Le Barbie/gemeinfrei

Was ging in den Köpfen dieser Polizisten vor? Sie haben am vergangenen Samstag in einem Haus in Paris einen schwarzen Musikproduzenten krankenhausreif geschlagen. Dokumentiert wird dies von einer Überwachungskamera, die sie bei ihrer schier unfassbaren Eskalation der Gewalt filmte.

Ein neunminütiges Video zeigt, wie zwei Polizisten in Uniform und einer in Zivil mit einem Mann am Eingang bei noch geöffneter Tür ringen, um anschließend, bei geschlossener Tür, mit Fäusten, Füßen, Knien und einem Schlagstock mehrere Minuten auf ihn einzudreschen und ihn zu würgen. Der Mann trug schwerere Verletzungen u.a. am Schädel davon.

Immer wieder geht es darum, dass die Tür geöffnet oder verschlossen wird. Einer der Polizisten betätigt sein Telefon oder Funkgerät. Schließlich kommen andere Personen aus einer anderen Tür hinzu, der Musikproduzent wird von den Polizisten nach draußen in einen Flur gezerrt; man sieht mehrere Personen, mehrere Explosionen, Fluchtbewegungen und Nebel.

Was die Überwachungskamera des Aufnahmestudios an Fragen offen lässt, wird in einem zweiten Video des „Loopsider“-Journalisten David Perrotin erklärt. Demnach wurde Musikproduzent der Black Gold Studios im Verlauf von 20 Minuten von den Polizisten schwer misshandelt und beleidigt (mehrfach „dreckiger Neger“) wie auch andere Personen, Musiker, die in anderen Räumen des Studios tätig waren und dem Produzenten zu Hilfe kamen, nachdem dieser mehrmals um Hilfe gerufen hatte.

Auch sie bekamen im Verlauf der Polizeiaktion Aggressionen zu spüren. Die Explosionen im ersten Video stammen von Polizei-Tränengas-Granaten. Die Musiker steuerten noch andere Aufnahmen der „Nahkämpfe“ bei, die im zweiten Video, dem des Loopsider-Journalisten, zu sehen sind.

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