Rassismus bei Hannah Arendt: Blind für den Widerstand der Kolonisierten


Hannah Arendt erforschte zeitlebens, wie totalitäre Regime Menschen entrechten. Manche ihrer Schriften sind nicht frei von rassistischen Mustern. Wie passt das zusammen? Ein Gespräch über blinde Flecken mit der Philosophin Iris Därmann.

Iris Därmann im Gespräch mit René Aguigah | Deutschlandfunk Kultur

Wegweisende Analysen totalitärer Macht: Hannah Arendt im Jahr 1969 (picture alliance/AP Images)

Der US-Präsident schickt Soldaten in eine Stadt im Süden der Vereinigten Staaten, um einen eskalierenden Konflikt zu befrieden. Schwarze Aktivistinnen und Aktivisten fordern ihre Rechte ein, ein Teil der weißen Bevölkerung stellt sich dagegen.

Es ist das Jahr 1957, erst drei Jahre zuvor wurde den Kindern von Afroamerikanern das Recht zugesprochen, überall im Land öffentliche Schulen zu besuchen. Aber die Stadt Little Rock im Bundesstaat Arkansas schließt sie vom Unterricht einer örtlichen Highschool aus. Neun Schülerinnen und Schüler trotzen dem Widerstand eines weißen Mobs und werden schließlich von Soldaten zur Schule eskortiert.

Kritik an der schwarzen Bürgerrechtsbewegung

Bilder der Ereignisse gehen um die Welt und lösen heftige Debatten aus. Auch Hannah Arendt ergreift das Wort. Doch mit ihrem Essay „Reflections on Little Rock“ stößt sie bei liberalen Leserinnen und Lesern auf großes Unverständnis, erklärt Iris Därmann, Philosophin und Kulturwissenschaftlerin an der Berliner Humboldt-Universität. Was viele befremdet habe in der gefährlich aufgeheizten Situation: Arendt übt Kritik an der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

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