Ein Spionagefall beschäftigt Dänemark – mit den USA als Partner und Gegner zugleich


Hat Amerika mittels der NSA gegen befreundete europäische Länder spioniert, als Dänemark neue Kampfflugzeuge beschaffte? Der Bericht eines dänischen Geheimdienst-Insiders schliesst den Verdacht nicht aus. Betroffen gewesen sein sollen Schweden, Norwegen, Deutschland, Frankreich und die Niederlande.

Rudolf Hermann | Neue Zürcher Zeitung

2016 bestellte Dänemark in den USA F-35-Kampfflugzeuge (im Bild F-35 der amerikanischen Armee im Afghanistan-Einsatz). Bild: US-Navy/Reuters

«Normalerweise ist das etwas, das wir eher von den Chinesen erwarten würden.» So kommentierte der Forscher Tobias Liebetrau vom Zentrum für militärische Studien der Universität Kopenhagen im Gespräch mit der dänischen Sendeanstalt DR eine jüngst aufgebrochene Affäre. Dabei soll es um Spionage gegen die Interessen Dänemarks sowie weiterer europäischer Länder gehen – verübt durch den Verbündeten USA. Der Sender DR will aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen erfahren haben, dass ein Mitarbeiter des dänischen Nachrichtendienstes FE im Jahr 2015 die Führung des Geheimdienstes über seinen Verdacht informierte, wonach der amerikanische Abhördienst NSA eine Kooperation mit dem FE zu illegalen Aktivitäten gegenüber dänischen Zielen missbrauche.

Kampfjets im Visier

2015 befand sich Dänemark in der heissen Phase der Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Im Auswahlverfahren befanden sich die USA mit der Super Hornet von Boeing und der F-35 von Lockheed Martin, Schweden mit dem Gripen von Saab sowie die Airbus Group mit dem Eurofighter. 2016 entschied sich Dänemark für das Angebot von Lockheed Martin und bestellte 27 Einheiten.

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