Berliner Stadtschloss: Kurt Eisner statt ein Kreuz

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Die Losung auf der Kuppel soll nach Wunsch der FDP ständig wechseln. Wir hätten da ein paar Ideen

Karsten Krampitz | derFreitag

Finale Arbeiten an der Kuppel des Berliner Stadtschlosses Foto: Sean Gallup/Getty Images

Zum Nach- und Ersatzbau des Berliner Stadtschlosses ist, mit Karl Valentin gesprochen, lange schon alles gesagt – nur noch nicht von allen. Seit dem Sommer harrt im Kulturausschuss des Bundestags ein FDP-Antrag seiner Beratung. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, den umstrittenen Kuppelspruch der Gegenwart anzupassen. Unter Kreuz und Kranzgesims steht wie in alten Zeiten: „Es ist in keinem anderen Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, dass im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind.“ – Verse, die der Preußenkönig mal aus irgendwelchen Bibelstellen zusammenmontiert hatte. Die Antragsteller von der FDP sehen darin eine Machtgeste des damaligen Herrschers.

Ob Berlin tatsächlich eine Stadt der Toleranz sei, fragte mit Blick auf die Kuppel unlängst Andreas Nachama in der Jüdischen Allgemeinen. Eine Stadt, „in der Christen, Juden, Muslime, Religionslose und Religionskritiker friedlich nebeneinander leben? Eine Stadt, in der ein ,House of One‘ entsteht, wo Juden, Christen und Muslime – jeder in seiner Tradition, aber doch unter einem Dach – auf Augenhöhe respektvoll miteinander umgehen?“ Nachamas Antwort: „Nein. Berlin ist eine Stadt, die offenbar weiter mit der Vorstellung lebt, dass allein Kreuz und Christentum glückselig machen.“ Das mag stimmen, gäbe es nicht die FDP!

Nach Vorstellung der Liberalen soll der Hohenzollernspruch an der Kuppel „durch wechselnde, dem Kontext des weltoffenen Humboldt-Forums entsprechende Texte ersetzt werden“; die Bundesregierung möge dafür einen Wettbewerb ausschreiben. Was für eine Idee: Monat für Monat ein neues Spruchband an der Schlosskuppel!

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