Christliche Überlegenheitsdoktrin


„Erblast Mission“ – unter diesem Titel arbeitet eine Online-Vorlesungsreiche der Universität Frankfurt ein Stück Kolonialgeschichte auf. Expertinnen und Experten untersuchen, wie Missionare die christliche Botschaft mit rassistischen und imperialistischen Ideologien verbanden.

Eva-Maria Götz | Deutschlandfunk

Historisch ist Missionsarbeit eng mit Kolonialismus verknüpft (imago images / Artokoloro / David van der Kellen)

„Wenn es um die Aufarbeitung geht, die Kirchen heute leisten sollten, was ihre eigene Missionsgeschichte in der Kolonialzeit betrifft, dann würde ich sagen: Es gilt, auf die Konflikte und auf die Verletzungen zu blicken, auf die Ausgrenzungen und auf die oft auch rassistischen Grenzen, die Mission errichtet hat.“

Meint Richard Hölzl, Historiker an der Universität Göttingen. Die Aufarbeitung der Missionsarbeit sei ebenso überfällig wie die Aufarbeitung der politischen und wirtschaftlichen Seite von Kolonialisierung, meint auch Professorin Manuela Boatca, Soziologin an der Universität Freiburg.

„Das Selbstverständnis der Christen war, dass sie die richtige Religion haben und dass religiöse Konflikte darauf beruhen, dass man sich mit Leuten, die die falsche Religion haben, bekämpft oder diese bekämpft.“

„Menschen ohne Religion“

Diese Überlegenheitsdoktrin prägte die Sichtweise auf Menschen außerhalb Europas und rechtfertigte letztendlich sogar Ausbeutung und Sklaverei:

„Das sind die ‚Menschen ohne Religion‘. Dieses Muster wurde ja zusätzlich verkompliziert, als mit dem europäischen Handel mit versklavten Menschen auch ‚Menschen ganz ohne Seele‘ erfunden wurden. Das heißt, diese Dehumanisierung, dieses Absprechen von Menschlichkeit war Teil dieser Einteilung: Menschen mit richtiger Religion in Europa, Menschen ohne Religion in den Kolonien und Menschen ohne Seele, die dann auch ausgebeutet beziehungsweise zu Tode geschuftet werden könnten.“

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