Die christliche Rechte auf Kreuzzug in Afrika


In Nigeria ist ein Schwangerschafts­abbruch lebensgefährlich. Kliniken werden angegriffen, ein Arzt wird mit miesen Tricks verhaftet. Dahinter steckt ein globales Netzwerk, das mit allen Mitteln gegen gesellschaftliche Liberalisierungen kämpft.

Paul Hildebrandt, Birte Mensing, Kiki Mordi | republik.ch

Beim Konflikt um das Recht auf Abtreibung geht es nicht nur um ethische Fragen. Häufig geht es dabei um Leben und Tod. Cristina de Middel/Magnum Photos/Keystone

Als der nigerianische Arzt Bernard Fatoye an jenem Dienstag vor anderthalb Jahren zur Arbeit fährt, ahnt er noch nicht, dass er zum Monster gemacht wurde. Es ist der 21. Mai 2019, um kurz vor neun Uhr morgens. Fatoye betritt seine Arbeits­stelle, eine kleine Privat­klinik im Zentrum von Lagos. Wie jeden Morgen grüsst er den Wachmann am Eingang, dann geht er in sein Büro, zieht sich einen blauen Kittel über und öffnet die erste Patientinnenenakte.

Es scheint ein gewöhnlicher Tag, reine Routine, so wird er es später erzählen. Die Klinik führt eine britische Nichtregierungs­organisation, Marie Stopes, spezialisiert auf Beratung zu Verhütung und Schwangerschafts­abbruch. Finanziert wird die Organisation unter anderem durch Spenden von Stiftungen und Entwicklungs­hilfe­gelder europäischer Staaten. Fatoye arbeitet dort seit vier Jahren als leitender Arzt.

Kurz nach eins betritt eine junge Frau das Sprech­zimmer. Sie ist schon einige Male zur Beratung über Verhütungs­mittel in der Klinik gewesen, dieses Mal kommt sie in Begleitung einer weiteren Frau, die sie als ihre Mutter vorstellt. Die junge Frau sagt, sie sei schwanger, wolle das Kind aber nicht bekommen. Fatoye öffnet eine neue Akte und bittet sie, ihm Alter, Name und Wohnort zu nennen.

weiterlesen