Frankreich: Steiniger Weg zu den Imamen der Republik


In Frankreich setzt der Staat in Zukunft auf Imame aus dem eigenen Land. Ein nationaler „Rat der Imame“ soll Auswahl, Ausbildung und Qualität garantieren. Umsetzen soll das Projekt aber eine umstrittene Organisation.

Andreas Noll | Deutsche Welle

Die Große Pariser Moschee zählt zu den wichtigsten islamischen Gotteshäusern Frankreichs

Der Präsident macht Druck: Vierzehn Tage Zeit hat Emmanuel Macron dem Französischen Islamrat CFCM im November gegeben, um sich auf eine „Charta der Republikanischen Werte“ zu verständigen. Darin soll sich der Dachverband zu den Werten der Republik bekennen, anerkennen, dass der Islam in Frankreich eine Religion und keine politische Bewegung ist, und das Ende der Eimischung durch das Ausland verkünden. Außerdem soll ein „Nationaler Rat der Imame“ für die Auswahl und Ausbildung der Prediger in Frankreich geschaffen werden.

Der Druck aus der Politik auf die muslimische Interessenvertretung ist groß. Das zeigt sich auch in einer veränderten Kommunikation. Noch Anfang des Jahres hatte es einen Aufschrei gegeben, nachdem der CFCM-Generaldelegierte Drohungen gegen die 16 Jahre alte Mila gerechtfertigt hatte. Die Gymnasiastin hatte im Internet in derber Form den Islam kritisiert und danach Morddrohungen erhalten und musste untertauchen. „Wer Wind sät, muss mit Sturm rechnen. Sie hat die Religion beleidigt, jetzt muss sie die Folgen ihrer Worte tragen“, kommentierte der Verbandsvertreter damals das Schicksal der Schülerin, die unter Polizeischutz gestellt wurde.

Mittlerweile betont der CFCM die Meinungsfreiheit deutlich stärker in seinen Botschaften. Nach der erneuten Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen rief der Verband im September die Muslime auf, die Karikaturen zu ignorieren.

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