Moraltheologe befürwortet künstliches Fleisch: „Ein kleiner Baustein auf dem richtigen Weg“


In Singapur ist künstlich gezüchtetes Fleisch aus dem Labor für den Verkauf freigegeben worden. Was bedeutet das für die Fleischindustrie? Der Moraltheologe Rosenberger sieht Potenzial, verweist aber weiterhin auf einen Wandel des Lebensstils.

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DOMRADIO.DE: Keine Massentierhaltung mit schädlichen Folgen für das Klima, keine Tötung von Lebewesen. Das wäre doch eigentlich prima. Da könnte man sagen: Fleisch aus dem Labor ist eine Lösung, oder?

Prof. Dr. Michael Rosenberger (Moraltheologe an der Katholischen Privat-Universität Linz): Zumindest eine Teillösung würde ich darin schon sehen. Es ist ein Weg, um von der Massenproduktion von Fleisch und damit von der Massentierhaltung wegzukommen. Es ist ein Weg, um den Klimaeffekt der Massentierhaltung zu reduzieren. Von daher ist es zumindest ein kleiner Baustein auf dem richtigen Weg. Aber ich würde sagen, da fehlt noch einiges, um ein Ganzes draus zu machen.

Denn letztendlich müssen wir uns ja auch fragen: Gibt uns allein die Technik hier die Möglichkeit, alle Probleme zu lösen oder braucht es nicht auch einen Wandel unseres Lebensstils? Und seitens der Kirchen haben wir eigentlich traditionell immer gefordert, dass auch der Mensch in seiner Art, wie er lebt, wie er sich ernährt, sich verändern muss.

DOMRADIO.DE: Jetzt muss ich als Vegetarierin auch noch einschreiten. So ganz veräppeln lassen möchte ich mich nicht. Ganz ohne Töten geht es nämlich auch nicht, denn die Nährlösung für das künstliche Fleisch wird aus Kuh-Embryonen gewonnen. Kann man das gegeneinander aufrechnen? So nach dem Motto: Besser ein paar Kühe als massenhaft Hühner?

Rosenberger: Das würde ich so einfach nicht sagen wollen. Aber natürlich, selbst wenn da ein paar Kuh-Embryonen für eine relativ große Menge von künstlich hergestelltem Fleisch dann im Labor dienen müssen, würde sich damit ja doch die Zahl der Tiere, die man hält und die man tötet, enorm reduzieren. Das ist ja allein ein Fortschritt. Also wie gesagt, ich sehe es nicht als die Musterlösung und die ganze Lösung. Aber ich würde sagen, es kann ein Schritt auf einem Weg sein und als solcher hat es durchaus eine positive Wertung.

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