Wenn die buddhistische Gelassenheit verloren geht


Im Netz tauschen sich Buddhistinnen und Buddhisten über ihre Erfahrungen mit Meditationen und Meistern aus. Immer wieder taucht auch Werbung für dubiose Angebote auf. Gehört das zur Meinungsfreiheit oder brauchen die Foren mehr Selbstkontrolle? Darüber streiten auch Buddhisten.

Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Auf Facebook werben auch zweifelhafte buddhistische Gruppen um Anhänger (imago / ZUMA press)

Buddhistinnen und Buddhisten gelten gemeinhin als gelassen. Wenn in ihren sozialen Medien aber Menschen und Meinungen aufeinanderprallen, die sich im normalen Offline-Leben nie begegnen würden, wird die Gelassenheit auf eine harte Probe gestellt – und nicht jeder oder jede bewahrt die Fassung. Das zeigt dieser anonymisierte Dialog aus der Facebook-Gruppe „Buddhismus in Deutschland“. Das Forum gibt es seit gut drei Jahren mit mehr als 7000 Mitgliedern. Darin vertreten ist auch eine Gruppe, die sich laut Eigenwerbung mit Tantra beschäftigt. Unter dem Posting empören sich Forumsmitglieder. Ein Schlagabtausch beginnt:

„Eigentlich hat das mit Buddhismus so gut wie nichts zu tun. Ich sehe hier nur eine ständige penetrante Werbung für einen Sexkult, von einem Sexmodell aus China, die in Deutschland lebt und überall Erotik und Sex und Geschlechtsverkehr anbietet im Gewand von ein bissel Esoterik, Hinduismus, Paganismus und Buddhismus.“

„Das ist reiner Buddhismus. Ich sehe hingegen leider bei dir nur Feindseligkeit, Hass, Intoleranz und pure Arroganz, dass du dich selbst zum Maßstab erhebst, was Buddhismus zu sein hat und was nicht.“

„Einfach nur den Namen der Dame* eingeben in Google, da wird das überall gestreut. Und viele Bilder, nackt und in Sex mit Männer und/oder Frauen beziehungsweise zusammen. Auch Videos, wo es nur um eins geht: Sex! Das Ding ist ‚ne Farce und eins von vielen, was dem Buddhismus eher schadet.“
*Originalname entfernt

„Schaden tust einfach nur du selbst mit dem Gift deines Hasses, den du hier streust. Sie* lehrt den wahren Bodhisattvaweg der Leere und des echten Mitgefühls. Du hingegen beschmeißt sie nur mit deinem Dreck.“
*Originalname entfernt

„Ich vertrete den Grundsatz der Meinungsfreiheit“

Der wütende Austausch in dem buddhistischen Forum geht noch weiter und er wiederholt sich alle paar Tage oder Wochen. Ein Kritiker wirft ein, dass die Werberin Mitleid erhaschen möchte, aber an anderer Stelle „mit Höllen und Dämonen“ drohe. Andere Mitlesende verhöhnen die selbsternannte Erleuchtete, die sich auf ihrer Website als „lebende Inkarnation“ einer buddhistischen Meditationsgöttin bezeichnet. Der Administrator Nils Horn möchte das Werbe-Posting nicht entfernen. Er glaubt, die Urheberin des Postings meine es ehrlich.

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