Corona greift öfter Ärmere an – ein Experte erklärt die Gründe

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Corona scheint prekär lebende Menschen besonders stark zu treffen. Ein Gespräch mit Medizinsoziologe Nico Dragano warum das so ist und was getan werden kann.

Anna Thewalt | DER TAGESSPIEGEL

Menschen in einer Fußgängerzone in Dortmund, NRW.Foto: imago images/Jochen Tack

Nico Dragano ist Professor für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum in Düsseldorf und erforscht die Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Bedingungen und Gesundheit.

Herr Dragano, erste Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialem Status und Coronavirus-Erkrankungen gibt. Aus Ihrer Sicht: Sind ärmere Menschen eher gefährdet, an Corona zu erkranken, als ökonomisch besser gestellte?
Nach allem, was wir bisher sehen, scheint das so zu sein. Das Infektionsrisiko scheint höher für Menschen zu sein, die ein geringes Einkommen haben, geringe Bildung und prekäre Jobs. Auch wenn wir Daten regional betrachten, sieht man: In ärmeren Vierteln gibt es höhere Inzidenzen.

Woran liegt das?
Abschließend kann man das nicht beantworten. Vermutungen gehen zum Teil auf Studien zurück, die die Verbreitung der Influenza untersucht haben. Sie zeigen, dass von Armut betroffene Menschen dem Risiko weniger aus dem Weg gehen können: Sie können seltener öffentliche Verkehrsmittel meiden, seltener im Homeoffice arbeiten.

Eine aktuelle Studie zum Coronavirus aus den USA hat Handybewegungsdaten ausgewertet. Die Daten haben gezeigt, dass es Menschen aus ärmeren Vierteln seltener möglich war, weniger mobil zu sein und sie sich oft an risikoreichen Orten, wie etwa vollen Supermärkten, aufgehalten haben.

Können diese Ergebnisse Aufschluss über die Situation in Deutschland geben?
Die Daten aus den USA können natürlich nicht eins zu eins auf Deutschland angewendet werden. Aber die Prozesse, die sichtbar wurden, könnten bei uns genauso greifen.

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