Brexit-Verhandlungen: Und schuld bist du


In den Austrittsverhandlungen ist alles gesagt. Der britischen Regierung fehlt der politische Mut, um einzugestehen: Brexit-Ideologie und der Verbleib im europäischen Binnenmarkt sind unvereinbar.

Stefan Kornelius | Süddeutsche Zeitung

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union war noch nie eine technische Angelegenheit, sondern stets eine politische. Deswegen ist es auch nicht erstaunlich, dass die Verhandlungen zur technischen Lösung dieser Scheidung nun faktisch gescheitert sind. Großbritannien kam seit vielen Jahrzehnten stets in den Genuss von Sonderregeln und Rabatten, um die politischen Schmerzen einer Mitgliedschaft zu vermindern. Warum also sollten jetzt ein neuerlicher Rabatt (bei Fisch) oder gemilderte Handelsparagrafen (keine Mitgliedschaft, aber gleiche Regeln) ausreichen, um jene Rebellion zu befrieden, die vor vier Jahren zum Austritt geführt hat?

Souveränität war der Schlachtruf dieser Aufstandstruppe, die von Boris Johnson und Nigel Farage angeführt wurde. Johnson ist inzwischen Premierminister, getragen von einer Fraktion aus Souveränitäts-Enthusiasten. Wie vor vier Jahren überwiegt das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Eigenständigkeit, Bindungslosigkeit. Großbritannien ist eine Insel, ist eine Insel, ist eine Insel.

weiterlesen