Atomwaffen und US-Präsidenten: Absolut unkontrolliert


Der Wissenschaftsjournalist Fred Kaplan schildert, warum die US-Präsidenten seit Jahrzehnten allein über den Einsatz des nuklearen Arsenals entscheiden. Das könnte sehr gefährlich werden.

Bernd Greiner | Süddeutsche Zeitung

Kann man über „die Bombe“ überhaupt Neues schreiben? Alles scheint gesagt zu sein, jede Ecke ausgekehrt – wie die Supermächte seit Jahrzehnten versuchen, aus den militärisch untauglichen Weltuntergangswaffen politisches Kapital zu schlagen, wann es zu haarsträubenden Zwischenfällen auf Stützpunkten kam und warum die Welt in manchen Krisen buchstäblich mehr Glück als Verstand hatte.

All das lässt der amerikanische Wissenschaftsjournalist Fred Kaplan Revue passieren. Im Kern aber lenkt der Autor unseren Blick auf das Verdrängte. Genauer gesagt auf den Selbstbetrug der politisch Verantwortlichen.

Generationen von Politikern und Militärexperten haben sich Modelle für den Fall zurechtgelegt, dass die Abschreckung versagt. Flexibilität, Selbstbeschränkung, Eskalationskontrolle, abgestufte Reaktion, resiliente Befehlsketten, Schonung ziviler Ziele, so lauten die Zauberformeln, um der unzumutbaren Alternative zwischen Kapitulation und Untergang zu entgehen und um das Monströse irgendwie zu bändigen.

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