Britische Zentralbank: Offen für Scharia-Banking


Die britische Zentralbank richtet ein Konto nach islamischen Regeln ein. Zinsen gibt es dabei keine, denn die sind nach dem Gesetz der Muslime verboten.

Philip Plickert | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Blick auf die Bank of England Bild: Reuters

Die Bank von England hat entschieden, eine schariakonforme Einlagenfazilität einzurichten, die ohne Zinszahlungen auskommt. Nach der Scharia, dem islamischen Recht, dürfen Banken keine Zinsen nehmen oder zahlen. Sie weichen daher auf Gewinnbeteiligungsmodelle aus. Die britische Notenbank wird im ersten Quartal eine neue „Alternative Liquiditäts-Fazilität“ eröffnen, kündigte sie an. Sie werde damit die erste Zentralbank in Europa sein, die eine Einlagenfazilität für Kreditinstitute eröffne, die nach islamischen Vorgaben operierten, schreibt die Ratingagentur Moody’s. Die Einlagenfazilität der Zentralbank ist eine Art Konto, auf dem Geschäftsbanken überschüssige Liquidität parken können. Für die Scharia-Banken böten sich damit verbesserte Möglichkeiten des Liquiditätsmanagements.

Andrew Hauser, Direktor der Marktoperationen der Bank of England, hob in einer Rede auf der „Islamic Finance Week“ vor kurzem die Rolle islamischer Banken zur Überwindung der Corona-Wirtschaftskrise hervor. Ohne Zweifel wächst ihre Bedeutung, getrieben vom Geld der reichen arabischen Golfstaaten. Im Jahr 2019 hatten Hauser zufolge islamische Finanzinstitute weltweit 2,4 Billionen Dollar Bilanzwerte unter Verwaltung, ein Drittel mehr als 2015. Drei Viertel dieser Vermögenswerte werden von Banken verwaltet. Außerdem gibt es mehr als 1500 schariakonforme Investmentfonds. Der Schwerpunkt liegt im Nahen Osten, in Asien und in Nordafrika.

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