Diakonie arbeitet Todesfälle unter Verschickungskindern auf


Verschickungskinder wurden zwischen den 1950er und 1980er Jahren vielfach bei Kuraufenthalten traumatisiert. Sie erlebten emotionale Kälte, Drangsalierung und Essenszwang. Die Diakonie legt nun Dokumentation zu Todesfällen im Jahr 1969 in Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth vor.

Björn Schlüter | evangelisch.de

Überforderung, Personalmangel und eine Verkettung unglücklicher Umstände: Das sind einer neuen geschichtswissenschaftlichen Dokumentation zufolge die Ursachen für drei Todesfälle in der Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth im Jahr 1969. Die Diakonie in Niedersachsen hat nun die Studie vorgelegt und damit nach eigenen Angaben als erster Verband in Deutschland am Beispiel der Zustände in einer Einrichtung die Schicksale sogenannter Verschickungskinder systematisch aufgearbeitet. Viele Kinder hätten in ihren Kuren Kälte, Drangsalierungen und Leid erfahren müssen, sagte Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke.

Die dramatischen Todesfälle vor 51 Jahren in Bad Salzdetfurth waren im vergangenen Jahr ans Licht gekommen, nachdem eine heute über 50-jährige Frau in den Medien geschildert hatte, wie sie als vierjähriges Kind in der Einrichtung bei Hildesheim misshandelt worden war.

Zwei Jungen und ein Mädchen starben

Zwischen Ende der 1950er und den 1980er Jahren wurden in Deutschland Millionen von Kindern aus gesundheitlichen Gründen über mehrere Wochen in Kurheime gebracht. Zwei Jungen und ein Mädchen im Alter von drei bis sieben Jahren kamen 1969 innerhalb von neun Wochen in dem Kinderkurheim bei Hildesheim ums Leben. Die vom Historiker Stefan Kleinschmidt erstellte Dokumentation könne niemand lesen, „ohne von den Schilderungen betroffen, ja belastet zu sein“, sagte Lenke.

weiterlesen