Moderna-Chef Bancel zur Impfstoff-Debatte: «Ich bin sogar froh um diese Skeptiker»


Der 48-jährige Stéphane Bancel gehört mit seinem US-Biotechunternehmen Moderna zu den führenden Herstellern von Corona-Impfungen. Bereits vor einem Jahr begann er über Wege nachzudenken, das Virus zu bekämpfen. Das exklusive Interview.

Andreas Möckli | watson.ch

Moderna-Chef Stéphane Bancel lebt und arbeitet in der Grossregion Boston in den USA. Er bezeichnet den Impfstoff seiner Firma als «bahnbrechend». Bild: keystone/twitter/watson

Nur wenige Minuten zu spät wählt sich Stéphane Bancel in die Videokonferenz ein. Mit dem Laptop in der Hand läuft er durch die Büros und setzt sich an einen Tisch. Während 45 Minuten antwortet er klar und ohne Umschweife auf unsere Fragen. Wie so oft trägt er einen Pullover mit Reissverschluss. Nur für Fernsehinterviews zieht er sich Jackett und Hemd an, aber immer ohne Krawatte. Schliesslich kann man Moderna noch immer fast als Jungunternehmen bezeichnen. Der Kleidungsstil gehört offenbar zum Selbstverständnis. Gegründet wurde die Firma im September 2010.

Sie haben bereits vergangene Weihnachten über einen Corona-Impfstoff nachgedacht. Damals hat die Krankheit nicht einmal einen Namen. Wieso haben Sie schon so früh über einen möglichen Impfstoff nachgedacht?
Stéphane Bancel: Ich hatte während 25 Jahren stets mit Infektionskrankheiten zu tun. In meinem ersten Job in Tokio war ich mit einer grossflächigen Lebensmittelinfektion konfrontiert. Daran starben sehr junge Kinder im Alter von drei oder vier Jahren. Das hat mich stark geprägt, da ich als Frontmitarbeiter vor Ort in den Spitälern war. Bakterien und Viren haben mich deshalb schon immer interessiert.

Daher haben Sie sich schon so früh mit der Idee auseinandergesetzt?
Jeden Morgen lese ich das «Wall Street Journal» und die «Financial Times». Im Dezember war lediglich von einem Krankheitserreger die Rede, es war noch nicht klar, ob es sich um ein Virus oder ein Bakterium handelt. Umgehend schrieb ich ein Mail an den führenden US-Virologen Anthony Fauci. Moderna arbeitet schon seit einiger Zeit mit ihm und seinem Team zusammen. Kurz danach wurde klar, dass es sich um ein Virus handelt. Das ist wichtig, weil wir nie einen Impfstoff gegen eine Bakterieninfektion entwickelt haben.

weiterlesen